Herzchirurgie Thoraxchirurgie Gefäßchirurgie

Mitralklappeninsuffizienz

Anatomie:
Die Mitralklappe liegt zwischen linker Herzkammer und linkem Vorhof. Sie besteht aus zwei Segelklappen, dem vorderen bzw hintern Mitalklappensegel.
Von jedem dieser Mitralklappensegel ziehen mehrere Sehnenfäden zu den sogenannten Papillarmuskeln, die zur Muskulatur der linken Herzkammer gehören.
Die Funktion der Mitralklappe ist es während der Systole (Kontraktion der Herzkammern) den Rückstrom des Blutes von der linken Herzkammer in den linken Vorhof zu verhindern, indem die Klappensegel durch die Sehnenfäden ähnlich einem Fallschirm gespannt werden.

Bei der Mitralklappeninsuffizienz (Klappe schließt unvollständig) müssen zwei Gruppen unterschieden werden:

Bei der degenerativen Insuffizienz sind Abriss (Ruptur) oder Ausdünnung (Elongation) der Sehnenfäden der Mitralklappe als die häufigsten Ursachen zu nennen. Dies führt dann zum sogenannten Flail leaflet bzw. Prolaps der Klappensegel. Diese Erkrankungen können von darauf spezialisierten Herzchirurgen in über 95% der Fälle repariert werden (Mitralklappenrepair). Zur Stabilisierung des Repairs wird zusätzlich fast immer einer künstlicher Klappenring (Mitralanuloplastiering) implantiert.

Nicht selten tritt die degenerative Mitralinsuffizienz in Kombination mit sogenanntem Vorhofflimmern auf. Ist dies der Fall, so werden während der Operation mit einer Radiofrequenzsonde bestimmte Linien im linken Vorhof gezogen, um das Wiederauftreten eines normalen Herzrhythmus (Sinusrhythmus) so wahrscheinlich wie möglich zu machen (Vorhofflimmerablation).

Manchmal ist die Mitralinsuffizienz auch von einer Tricuspidalinsuffizienz (Klappe zwischen rechtem Vorhof und rechter Kammer schließt unvollständig) begleitet. Dies lässt sich in der Regel durch alleinige Implantation eines künstlichen Klappenrings (Tricuspidalanuloplastiering) reparieren.

Da die Langzeitergebnisse ausgezeichnet sind, ist bei der degenerativen Mitralinsuffizienz der Klappenrepair als die Methode der Wahl anzusehen.

War bis vor einigen Jahren noch die Durchtrennung des gesamten Brustbeins (Sternotomie) für einen solchen Eingriff notwendig, lässt sich diese Operation heute in aller Regel mit speziell dafür angefertigten Instrumenten über einen ca. 4 cm kleinen Schnitt im Bereich der rechten Brust durchführen (minimal invasiver Mitralklappenrepair). Neben dem geringeren Gewebetrauma und verminderten postoperativen Schmerzen ist natürlich auch der kosmetische Vorteil des minimal invasiven Zugangs zu erwähnen.

Bei der sekundären Mitralinsuffizienz liegt eine andere Herzerkrankung dem unvollständigen Klappenschluss zugrunde. Oft handelt es sich dabei um eine Vernarbung bzw Schrumpfung des Mitalklappenapparates nach einem Herzinfarkt oder um ein Auseinanderweichen (Dilatation) des Klappenringes im Rahmen einer allgemeinen Herzschwäche (Herzinsuffizienz). Hierbei muss im Einzelfall entschieden werden ob ein Klappenrepair angestrebt werden soll, oder ob einem Klappenersatz der Vorzug zu geben ist.